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Bergdorf Lerbach im Harz 51° 45' 15'' nB 010° 17' 42'' öL 300 - 400m üNN
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Sommerbergweg - gestern. heute, morgen ...

Von Wolfgang Gärtner, Stand: So., 03. Nov. 2019 - 23:12.

Liebe Lerbacher,

wenn man bei sonnigem Wetter - wie es Mitte Oktober 2018 war - direkt am Lerbacher Jahn-Denkmal

Foto 1: - Jahn-Denkmal

vom Grabenweg den steilen Weg "in den Buchen"  nach oben zum Concordia-Platz hochsteigt, wird man in eine bezaubernde neue Welt geführt. Man traut seinen Augen nicht, aber es ist Wirklichkeit. Es flimmert einem nur so vor den Augen, denn das Sonnenlicht blinzelt in vielen Farbvarianten durch die bunten Herbstblätter. Wir gehen ein paar Schritte weiter im bereits herabgefallenem hohen Laub - und schon wieder sind ganz neue Eindrücke und Ausblicke entstanden.

Foto 2: wg - In den Buchen am Concordia-Platz

Am Concordia-Platz angekommen, überrascht mich meine Frau mit einem Picknick. Aus dem Rucksack zaubert Ina ein Laguiole-Messer, ein kleines Holzschneidebrett und ein buntes Tischtuch hervor und alles wird auf der Bank ausgebreitet. Mit frischem Brot, Schmorwurst, Harzer Käse und einem Schluck Wein ist die Vesper in der Harzer Natur perfekt.

Vereinzelte Stimmen und Geräusche aus dem engen Tal sind deutlich wahrzunehmen, auch wenn das frühere deutliche Holzhacken und die wiegenden Sägegeräusche heutzutage von Motorsägen abgelöst wird. Aber das bestätigt, dass immer noch für den kalten Winter mit Brennholz vorgesorgt wird.

Der Concordia-Gedenkstein erinnert an die Gründung des Gesangvereins Concordia im Jahre 1853 und läßt Erinnerungen wach werden, die ich an mehrere ältere Sänger und Chorleiter habe. Sehr schade, dass es die beiden Gesangvereine Concordia und Germania mit den regelmäßigen Singstunden und Veranstaltungen in Lerbach nicht mehr gibt. "Wo man singt, da laß dich ruhig nieder. Böse Menschen haben keine Lieder." ...

Der Blick zum Schwarzenberg auf der anderen Talseite und nach Unterlerbach ist durch die hohen Bäume noch fast zugewachsen, aber er wird dann umso mehr frei sein, wenn das Laub ganz gefallen ist. Danach schauen wir runter in das Steintal mit dem winzigen Bachlauf und ob der kleine Teich noch erkennbar ist, den wir als Kinder gebaut haben. 

Vom Concordia-Platz steigen wir ein paar Schritte die deutlich in die Jahre gekommene Treppe hinauf zum Sommerbergweg, den wir in Richtung Oberdorf weitergehen. Dort fällt uns besonders auf, dass der Buchenwald mehr und mehr mit Unterholz zuwächst. Das habe ich früher nicht so wahrgenommen. Damals sah der Buchenwald sauber aus und nicht so verwildert. Unabhängig davon, dass auch die unterhalb der Buchen befindlichen Wiesen früher nicht so stark mit ausladenden Sträuchern bewachsen waren, konnte man durch den Buchenwald viel besser in das Tal und auf die gegenüberliegende Talseite schauen.

Wenn man auf die schönen Talblicke aber nicht verzichten will, muß man den Sommerbergweg ein paar Schritte nach unten zum Waldrand verlassen und dann sind sie wieder da: die schönen Talblicke auf den bebauten Schwarzenberg, wo früher der Turnplatz war. Aber auch die Aussicht zum Glockenhaus und zur Kirche, die Rote Sohle mit dem "Kleinen Brocken" und auf den Brink beim Schuster-Haus, die Bode-Villa an der Klappe und fast bis zum früheren Querkrug und zur Alten Schmiede.

Den Sommerbergweg verlassen wir dann ein kleines Stück weiter hinter dem Lehmtal gerne nochmal, um am Waldrand eine freie Sicht auf das Kiepenloch-Tal mit der früheren Jugendherberge, den Jürgenskopf, die Güldenkirche, das Backofental, die Mühlenwiese mit Mariensblick, den Kuhkolk und das Oberdorf - also den Hexenzipfel - nicht zu verpassen.

Ideal wäre es, wenn vom Sommerbergweg aus einige Sichtachsen freigehalten werden könnten. Man stellt sich ja die Frage, was die Forstverwaltung dazu bringt, den Buchenwald so wild zuwachsen zu lassen.

Doch dann kommt die Belohnung der bisherigen Wanderung durch den Blick von der Claras Höhe in das Lerbachtal mit seinen beidseitigen Bergzügen und dem weiten Harzvorland. - Das ist es, was ich mit vorbildlichen Sichtachsen auf das Lerbachtal meine.

Foto 3: wg - Claras Höhe

Und nach dem ausschweifenden Blick von der Claras Höhe nach Süd-Westen über Mittel- und Unterlerbach bis in das Harzvorland sind es noch ein paar Schritte bis zum Schiefertal  mit seitlichem Blick in die Höhe, wo der Aussichtsturm Kuckholzklippe steht und nach Süden zur Mühlenwiese. Leider sieht man dann auch deutlich die fortschreitenden Trockenschäden der Fichtenwälder am Mariensblick bis zum Mangelhalber Tor.

Auch das Schiefertal hat sich im Laufe der Jahre durch den Wildwuchs stark verändert, aber wir finden trotzdem den Weg um den Klausberg herum und den Abstieg am Bodestieg. Dieser ist ziemlich steil und durch den dichten Nadelbelag am Boden verlangt es schon einen sicheren Tritt beim Abstieg zum herrlich gelegenen Mühlenteich. 

Foto 4: Mühlenteich

Von dort aus geht es wieder wieder bergan zum Mariensblick oberhalb der Mühlenwiese mit schönem Ausblick auf den Rasenplatz vom SV Lerbach, auf den dahinter liegenden Natur-Erlebnis-Park mit Gaststätte und Campingplatz in Richtung Klausberg, Kunzenloch und Hundscher Weg.

Foto 5: wg - Lerbach Oberdorf vom Backofental aus

Wir gehen weiter auf der Roten Sohle und wir sehen in jeder Wegbiegung das Lerbachtal von einer neuen Seite als zuvor vom gegenüber verlaufenden Sommerbergweg.

Foto 6: Günther Koch - Lerbach Oberdorf vom Schwarzenberg aus

An der Körnigsecke muß sich der Blick auf die Hütte in UnterLerbach, Ortsteil Freiheit und Osterode mit dem Harzvorland erst finden durch den Wildwuchs am Berghang mit hohen Büschen und Bäumen. Trotzdem ein schönes Erlebnis, denn der Gesamteindruck ist grandios. Dann führt uns der Weg an der Schäferhütte am oberen Hoppenberg vorbei und durch die Schweinehecke.

Foto 7: Lerbach Unterdorf

Wir kehren wieder über das Mühlental in das Tal zurück. Im Mühlental halten wir uns natürlich noch länger auf und besichtigen im Freilichtmuseum auf einem historischen Eisensteingrubengelände die Nachbildungen und Darstellungen zum Lerbacher Eisensteinbergbau, der Verhüttung, der Waldarbeiter- und Köhlervergangenheit, sowie der früheren Hut- und Weidewirtschaft.

Das war der Hinweg auf dem Sommerbergweg im Oktober 2018 - sehr landschaftlich orientiert. 


Jetzt,  1 Jahr später folgte im September 2019 die umgekehrte Richtung entlang der Lerbacher Eisensteingruben. 

Wir haben uns mit Marianne und Frank Koch verabredet und starten in Oberlerbach, im Hexenzipfel am Grubenweg und verfolgen eine Strecke, die stark mit dem Lerbacher Bergbau in der Vergangenheit zwischen dem 15. Jahrhundert und dem Ende im Jahr 1941 verbunden ist.

Foto 8: wg - Frank Koch und Wolfgang Gärtner am Kleeberg 

Wir erreichen schnell das Gelände der 258 m tiefen "Juliuszeche" und die Stolleneingänge der 210 m tiefen, großen "Grube Weintraube". Hier gibt es zu vereinbarten Zeiten Führungen, die wir uns aber für einen späteren Besuch vornehmen.

Immer wieder kommen wir an Bodensenkungen im Buchenwald vorbei, die uns Frank sachkundig als freigelegte, frühere Grubeneingänge erklärt. Imposant sind am steilen Hang die Grubeneingänge "Oberer Kleeberg"und "Unterer Kleeberg". Einige Schritte weiter ist besonders markant der Eingang zur "Grube Glücksstern", die nur wenige Meter unterhalb der Claras Höhe liegt.

All diese Waldwege, auf denen wir jetzt mühelos entlang spazieren, sind in der Bergbauzeit mit den steilen Taleinschnitten die Transportwege für die Geräte und das gehauene Eisenerz gewesen. Das war alles - ohne angetriebene Maschinen - eine heute fast nicht mehr vorstellbare Knochenarbeit unserer Vorfahren.

So wandern wir auf dem Sommerbergweg zunächst oberhalb vom Kuhkolk, dann durch das Lehmtal mit dem "Südlichen und Nördlichen Stollen Lehmenthal", oberhalb vom Ilsental, dann an der Concordia-Klippe entlang und stellen uns die tollen Ausblicke auf das Lerbachtal und die Rote Sohle vor. Die freie Sicht wird allerdings derzeit durch das ausgedehnte Unterholz im Buchenwald und dem Bewuchs der davor liegenden Wiesen beeinträchtigt.

Foto 9: wg - Sommerbergweg mit Marianne Koch und Ina Liebe-Gärtner

Beim Lerbacher Ortsrat, der Realgemeinde und der Forstverwaltung sind  - soviel mir bekannt ist - die Einsichten zur Situation der Wälder und Wiesen längst vorhanden, dass die Bäume im mehr Wald Licht und Luft brauchen. Gleichfalls sind die Hut- und Weide-Notwendigkeiten auf den Hängen von großer Bedeutung, damit das Klima im Tal lichtdurchflutet und gut durchlüftet bleibt und verbessert wird.

Trotz all dieser Überlegungen ist es ein wunderbarer Spaziergang, den wir auf dem Sommerbergweg weiter bis zum Germania-Platz gehen.

Foto 10: wg - Germania-Platz

Dort ist oberhalb des Germania-Platzes eine durch eine Stromleitung gebildete Sichtachse auf den gegenüber liegenden Hoppenberg gegeben, die mit etwas Verbreiterung auch das eindrucksvolle Gebiet um das Mühlental freigeben würde.

Von dort aus nehmen wir den Abstieg ins Tal, denn dort erwartet uns die Begegnung mit vielen neuen und vertrauten Lerbachern, die den letzten Dorfmarkt 2019 auch nicht verpassen wollten.

Frank Koch hat im Jahr 2012 ein Buch herausgegeben mit dem Titel: "Entlang der Lerbacher Eisensteingruben". Hier ist im Detail beschrieben, wo die Mundlöcher und Anlagen der einzelnen Bergbaugruben liegen und über welche Wanderwege sie erreichbar sind.

Foto 11: Frank Koch - Buchcover: "Entlang der Lerbacher Eisensteingruben"

Es ist aus heutiger Sicht schon mehr als erstaunlich, dass uns die Lerbacher Vergangenheit in den 1940er bis 1990er Jahren als den damals jungen Lerbachern weder von den lebenden Vorfahren noch in der Schule deutlich gemacht wurde. Sonst hätten wir mehr über die harte und entbehrungsreiche Bergbauvergangenheit unserer Vorfahren gewußt.

Es ist schon deshalb ein großes Verdienst einiger engagierter Lerbacher und der dann 1992 gegründeten "Heimatstube Lerbach e.V.", dass das schwere Leben unserer Vorfahren und die Bedeutung des Bergbaus und Hüttenwesens im Lerbachtal wieder in das Bewußtsein geholt und dokumentiert wurde.

Dadurch haben alle Lerbacher und das ganze Tal eine ganz neue Würdigung, Bedeutung und Anerkennung erhalten.

Die jungen Bewohner, die Junggebliebenen und wir "Senioren" im Lerbachtal finden jetzt zu jeder Jahreszeit eine erhaltenswerte, aber auch noch verbesserungsfähige Orts-und Landschafts-Situation vor. Der nachhaltige und ausdauernder Einsatz dafür lohnt sich ganz besonders.

Beste Grüße

Wolfgang Gärtner (wg) -  gaertner@interform.de 

Hiermit erkläre ich, dass evt. Fehler bei den Quellenangaben unbeabsichtigt sind. 

 

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